Positionspapier zur Windenergie

Ganz unumstritten spielt die Windenergie in einem ausgewogenen Mix erneuerbarer Energien eine entscheidende Rolle. Der Beitrag der erneuerbaren Energien zur Endenergiebereitstellung am gesamten Stromverbrauch betrug in Deutschland im Jahr 2011 bereits 20,3 %. Durch Windenergie konnten 8,1 % oder 48.883 GWh zur Endenergiebereitstellung am gesamten Stromverbrauch beigesteuert werden. Laut Bundesregierung sollen im Jahr 2020 mindestens 35 % des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammen.

Bei allem Respekt vor diesem ehrgeizigen Ziel darf das "Wie" und "zu welchem Preis" nicht aus den Augen verloren werden. Das EEG Gesetz fördert den Umbau unserer Energiegewinnung, sorgt aber durch die hohen Subventionen auch dafür, dass aus Geldgier und scheinbar politisch hehren Zielen Standorte, ohne die gewissenhafte Berücksichtigung der menschlichen Belange, mit Windkraftanlagen zugebaut werden.

Die Bayerische Regierung hat im sogenannten Windenergie Erlass geregelt, unter welchen Voraussetzungen Windkraftanlagen in Bayern genehmigt werden sollen. Das 65 seitige Werk zielt hauptsächlich darauf ab, das Genehmigungsverfahren zu verkürzen und langwierige Gutachten zum Schutz von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern in der Nachbarschaft von Windkraftanlagen zu vermeiden. Politik für Bürger sieht unserer Meinung nach anders aus.

Deshalb haben wir einen Forderungskatalog aufgestellt welcher die Belange der betroffenen Anwohner angemessen berücksichtigt. Wir erachten dies nicht als Schikane, sondern als Mindestmaß an Respekt gegenüber den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern die in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem möglichen neuen Windpark leben.

Wir fordern, dass Windparks nur noch genehmigt werden, wenn diese Kriterien erfüllt werden:

Windgeschwindigkeiten

Wir fordern verbindliche Mindestwindgeschwindigkeiten in der Höhe von 140 Meter von mindestens 6,0 m/s als Voraussetzung für die Genehmigung einer Windkraftanlage, nachgewiesen von unabhängigen Gutachtern durch Langzeitmessungen vor Ort.

Abstand Windpark zu Wohnbebauung

Wir fordern verbindliche Mindestabstände zur Wohnbebauung für Windkraftanlagen. Windkraftanlagen müssen mindestens einen Abstand der 10-fachen Gesamthöhe der Windkraftanlage, mindestens jedoch 1.500m zu der nächsten Wohnbebauung einhalten.

Umweltverträglichkeitsgutachten

Unabhängig vom Bayerischen Winderlass fordern wir bereits beim Bau von drei Windkraftanlagen eine Umweltverträglichkeitsprüfung.

Faktencheck: Umwelt

Lärmgutachten

Die potentielle Lärmbelästigung wird in Deutschland nach der bundesweit geltende technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm, TA-Lärm, bewertet. Diese ist nicht auf die Bewertung von Windkraftanlagen mit einer Höhe von 200m ausgelegt. Deshalb fordern wir für jedes Windpark-Projekt ein individuelles Lärmgutachten.

Faktencheck: Lärmbelästigung

Kein Schattenschlag auf Wohnbebauung

Die drehenden Rotorblätter können in den Morgen- und Abendstunden zu stroposkopartigen  Schatteneffekten in Wohngebäuden führen. Dieser regelmäßige Schattenschlag kann gesundheitsschädliche Ausmaße annehmen. Wir fordern, dass kein Wohngebäude durch das Windpark-Projekt von Schattenschlag bedroht sein darf. Ein unabhängiges Gutachten muss dies bestätigen.

Faktencheck: Schattenschlag

Infraschall

Infraschall ist ein tieffrequenter Schall im nicht hörbaren Frequenzbereich. Auch wenn der  Bayerische Winderlass zur Genehmigung von Windkraftanlagen das Thema mit einem Federstrich für unwichtig erklärt sind wir der Meinung, dass von Infraschall eine erhebliche gesundheitliche Belastung für Anwohner von Windparks ausgeht. Wir fordern die unabhängige wissenschaftliche Untersuchung des Themenfeldes Infraschall und die zukünftige Berücksichtigung der Ergebnisse im Genehmigungsverfahren.

Faktencheck: Infraschall

Naturschutz

Im Rahmen der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung muss durch ein unabhängiges Gutachten nachgewiesen werden, dass keine europarechtlich geschützte Arten sowie wildlebende Vogelarten durch den Bau einer Windkraftanlage gefährdet sind.

Faktencheck: 19.08.13 - Sind Windräder Todesfallen für Fledermäuse?
Stichwörter: Naturschutz

Wertverlust bei Immobilien

Immobilien in Sichtweite zu Windparks verlieren zwischen 20 und 40 Prozent an Wert. Wir fordern eine gesetzliche Grundlage welche die Entschädigung der betroffenen Anwohner regelt.

Sitz der Betriebsgesellschaft in der Kommune vor Ort

Die vollständige Wertschöpfung der Betriebsgesellschaft muss am Ort des Windparks steuerpflichtig sein. Die Gewerbesteuereinnahmen müssen zu 100 % der lokalen Kommune zu gute kommen.

Faktencheck: Kommunen

Akzeptanz des Windpark-Projekts in der betroffenen Bevölkerung vor Ort

Das Windpark-Projekt muss im Rahmen eines Bürgerentscheids durch die breite Mehrheit der betroffenen Bürger vor Ort befürwortet werden.

Faktencheck: Akzeptanz



Bürgerinitiative Rückenwind fürs Erlauholz e.V.
im Dezember 2012