Besorgte Mediziner werfen Seehofer Wortbruch vor

03. Februar 2014 - Tags: 10 H | Abstand Wohnbebauung | Gesundheit | Infraschall

Forderung nach Mindestabstand bei Windkraftanlagen,
Messungen im tieffrequenten und Infraschallbereich und neue DIN Norm
Gesundheit der Betroffenen als Maßstab
Offener Brief an den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer

Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Ärzten wirft dem bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer eine unüberlegte Kehrtwende vor: Seehofer hatte vor der Bundestags- und Landtagswahl in Bayern für die Errichtung von Windkraftanlagen einen Mindestabstand zur Wohnbebauung von mindestens 10 mal die Höhe der Anlagen („10xh“) gefordert. Diese damals weithin beachtete Forderung hat Seehofer noch am 9. Januar im Gespräch mit bayerischen Naturschützern bekräftigt. In der Pressemitteilung der Bayerischen Staatskanzlei vom 13. Januar 2014 hatte sich Bayern gegen eine „Verspargelung“ Bayerns ausgesprochen. Nun soll die klare „10xh“-Abstandsforderung mit einer lokal zu entscheidenden Regelung aufgeweicht werden. Ein falscher Weg, so die Arbeitsgemeinschaft der Mediziner, der die Gesundheit der Menschen fahrlässig aufs Spiel setzt und den Pfad einer vernünftigen Regulierung der Energiewende verlässt.

In einem offenen Brief fordert die Gruppe besorgter Wissenschaftler und Ärzte unter Federführung des Ärzteforums Emissionsschutz Bad Orb Horst Seehofer, den Ministerpräsidenten von Bayern auf, seine Kehrtwende in Sachen Windkraft wieder zu revidieren. Seehofer wolle unter dem Druck der eigenen Landtagsfraktion und einiger haushaltsklammer Lokalfürsten seine Position „10xh“ in der letzten Woche aufgeben und die Regelung in die Verantwortung der Lokalpolitik legen. „Dies ist unverantwortlich“, so die Sprecher der Gruppe Dr. Eckhard Kuck und Dr. Holger Repp. Deshalb fordert die Gruppe die sofortige bundesweite Einführung ausreichender Vorsorgeabstände im Sinne von 10xh. Eine weitere Forderung ist die Neufassung der DIN Norm 45680, welche die Gesundheit der Menschen zum Maßstab bestimmt und ihrer Funktion als Schutznorm gerecht wird. So müssen Schallmessungen und Auswertungstechniken im tieffrequenten und Infraschallbereich dringend nach dem neuestem Stand der Technik durchgeführt werden.

In dem offenen Brief heißt es:

„Ihre Entscheidung, die Mindestabstände auf 800m herabzusetzen, gewährt lokalen Entscheidungsträgern und kommunalen wie privaten Nutznießern zum Schaden für die Bevölkerung das Recht, entsprechend eigener politischer Erfordernisse und wirtschaftlicher Begehrlichkeiten, gewünschte Abstände der Windkraftanlagen beinahe frei zu definieren“. Mit diesem Schritt werde die Verantwortung auf eine Ebene verlagert, die diesem sensiblen Gegenstand nicht gerecht werden könne.

„Als Ärzte stehen wir in der Pflicht“, so Kuck und Repp weiter, „die Menschen vor den erheblichen Gesundheitsgefährdungen dieser Technologie zu schützen.“

„Sowohl aus Sorge um die Gesundheit der Menschen, als auch aus Sorge um eine vernünftige und zukunftssichere Planung und Gestaltung der Energiewende warnen wir vor Fehlern der Vergangenheit. Erneut droht die Politik den Fehler zu machen, Technologien einzusetzen, deren gesundheitliche Auswirkungen sie nicht zur Kenntnis nehmen will.“

„Wir bitten Sie dringend“, so heißt es in dem Schreiben an den bayerischen Ministerpräsidenten abschließend, „den an Irrtümern und Katastrophen reichen Weg bei der Einführung neuer Technologien ohne Rücksicht auf den Schutz menschlicher Gesundheit nicht weiter zu beschreiten und Ihre Position am Wohl und Wehe der Menschen dieses Landes auszurichten.“

Lesen Sie hier den Brief an den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.